Der „Unterwasser-Wasserfall“ vor Le Morne im Südwesten von Mauritius ist eines der meistfotografierten Motive im Indischen Ozean und eines der am häufigsten missverstandenen. Einen Wasserfall gibt es dort nämlich nicht. Was Sie aus der Luft sehen, ist eine optische Täuschung: Sand und Schlick, die am Meeresboden auf eine steile Abbruchkante zutreiben, eingerahmt vom hellen Türkis der Lagune und dem dunklen Blau des tiefen Wassers jenseits des Riffs. Aus ein paar hundert Metern Höhe sieht es genau so aus, als stürze Wasser in einen Abgrund.
Wo ist der Unterwasser-Wasserfall?
Die Täuschung liegt direkt vor der Südwestspitze der Halbinsel Le Morne, unterhalb des Le Morne Brabant, des Basaltbergs, der zum UNESCO-Welterbe gehört. Vom Strand oder vom Boot aus ist sie nicht richtig zu erkennen. Wirken tut sie nur von oben.
Le Morne liegt weit entfernt von den belebteren Teilen der Insel. Rechnen Sie je nach Verkehr mit etwa einer bis anderthalb Stunden Fahrt vom Flughafen, von Port Louis oder Grand Baie.
So entsteht die Täuschung
Mauritius ist eine Vulkaninsel, umgeben von einem Korallenriff und einer flachen Lagune. Hinter dem Riff fällt der Meeresboden steil in viel tieferes Wasser ab. Strömungen tragen Sand und feines Sediment über den Schelf, und wo es zur Kante hin fließt, hinterlässt es lange, helle Streifen am Grund.
Aus der Luft deutet Ihr Auge diese Streifen als herabstürzendes Wasser. Den Rest erledigen die Farben: Im Flachen erreicht das Sonnenlicht den sandigen Boden, daher leuchtet die Lagune türkis, während das tiefe Wasser das Licht schluckt und fast dunkelblau wirkt. Je schärfer dieser Kontrast, desto stärker der Effekt.
Die besten Möglichkeiten, ihn zu sehen
Hubschrauberflug
Aus dem Hubschrauber haben Sie den klarsten und ruhigsten Blick, und der Pilot kann kreisen, damit alle an Bord gut sehen. Kurze Flüge von etwa 15 Minuten starten von Hubschrauberlandeplätzen im Süden und Südwesten, etwa in Bel Ombre, und konzentrieren sich auf Le Morne und den Unterwasser-Wasserfall. Längere Flüge von rund 35 Minuten ab dem Flughafen führen zusätzlich über die Black River Gorges, den Wasserfall von Chamarel und die Südküste.
Hubschrauberflüge sind nicht billig. Private Flüge für eine kleine Gruppe kosten meist deutlich über 1.000 Euro. Bei Sammelflügen sinkt der Preis pro Person, sie finden aber nur mit einer Mindestzahl an Passagieren statt. Prüfen Sie genau, was im Preis enthalten ist, vor allem der Transfer zum Landeplatz.
Flug mit dem Wasserflugzeug
Günstiger und abenteuerlicher ist ein Flug mit einem kleinen Wasserflugzeug (genau genommen ein Ultraleichtflugzeug auf Schwimmern) vom Strand La Prairie bei Le Morne. Die Flüge dauern 15 bis 80 Minuten, und schon der kürzeste führt über den Unterwasser-Wasserfall. Jede Maschine befördert nur den Piloten und einen Passagier, Paare fliegen also nebeneinander in zwei Flugzeugen. Es gibt ein Höchstgewicht für Passagiere, und die Flüge hängen von Wetter und Gezeiten ab.
Wanderung auf den Le Morne Brabant
Vom 556 m hohen Gipfel des Le Morne Brabant haben Sie einen großartigen Blick auf die Lagune, aber nicht auf den Unterwasser-Wasserfall selbst. Sie sind dafür schlicht nicht hoch genug und nicht weit genug draußen. Machen Sie die Wanderung wegen der Aussicht und der Geschichte, nicht wegen der Täuschung.
Hin und zurück sind es etwa 7 km mit rund 500 Höhenmetern, Sie brauchen drei bis vier Stunden. Der erste Teil ist ein ausgetretener Pfad, das letzte Stück eine steile Kraxelei über Fels. Die Regeln für den Zugang zum Gipfel haben sich im Lauf der Jahre geändert, informieren Sie sich daher vor Ort über die aktuelle Lage. Die meisten Besucher gehen mit einem einheimischen Guide, und nach starkem Regen sollten Sie den oberen Teil auslassen. Starten Sie früh, um der Mittagshitze zu entgehen.
Drohnen
Viele der berühmten Aufnahmen stammen von Drohnen, einfach losfliegen dürfen Sie aber nicht. Drohnen sind auf Mauritius durch die Zivilluftfahrtbehörde (Department of Civil Aviation) reguliert und brauchen eine Genehmigung, und der Luftraum um Le Morne ist tagsüber mit Rundflügen gut gefüllt.
Beste Zeit
Am wichtigsten sind ein klarer Himmel und ruhiges Wasser. Wolken werfen Schatten auf die Lagune und lassen die Farben verblassen, und unruhiges Wasser verwischt den Effekt.
- Jahreszeit: In den trockeneren Monaten, etwa Mai bis Dezember, stehen die Chancen auf klares Wetter am besten. September bis Dezember ist für Rundflüge besonders beliebt. Von Januar bis März bringt die heiße, feuchte Jahreszeit mehr Wolken und heftige Schauer, und Zyklone können den Flugbetrieb stoppen.
- Tageszeit: später Vormittag bis früher Nachmittag, wenn die Sonne hoch steht und den Meeresboden ausleuchtet.
- Flexibilität: Buchen Sie gleich zu Beginn Ihres Aufenthalts, damit Sie den Flug bei schlechtem Wetter verschieben können.
Praktische Tipps
- Tragen Sie eine Sonnenbrille, am besten polarisiert. Sie nimmt die Spiegelung auf dem Wasser.
- Sichern Sie Handy oder Kamera mit einem Band. Im Wasserflugzeug können Sie das Fenster eventuell öffnen, aber nur kurz.
- Nehmen Sie Reisepass oder Ausweis mit, wenn der Anbieter bei der Buchung danach fragt, vor allem bei Flügen ab dem Flughafen.
- Tragen Sie leichte Kleidung. Kleine Flugzeuge können am Boden ziemlich warm werden.
Ein ganzer Tag im Südwesten
Der Südwesten ist eine der schönsten Ecken der Insel, und ein Flug passt gut in einen Tag rund um Le Morne:
- Kulturlandschaft Le Morne: Der Berg bot im 18. und frühen 19. Jahrhundert entflohenen Versklavten (Maroons) Zuflucht. Das Denkmal der Internationalen Sklavenroute an seinem Fuß erzählt ihre Geschichte.
- Chamarel: Die Siebenfarbige Erde und der Wasserfall von Chamarel liegen etwa eine halbe Stunde Fahrt landeinwärts.
- Nationalpark Black River Gorges: der größte Nationalpark der Insel, mit Waldwegen und Aussichtspunkten über die Schluchten.
- Strand von Le Morne: ein langer öffentlicher Strand und einer der besten Kitespots der Insel.
Häufige Fragen
Ist der Unterwasser-Wasserfall auf Mauritius echt?
Nein. Es ist eine optische Täuschung, entstanden durch Sand und Schlick am Meeresboden neben einer steilen Unterwasserkante. Tatsächlich fällt kein Wasser herab.
Kann man den Unterwasser-Wasserfall vom Strand aus sehen?
Nein. Sie müssen weit darüber sein. Für die meisten Besucher ist ein Hubschrauber- oder Wasserflugzeugflug die einzige praktikable Möglichkeit.
Sieht man ihn vom Gipfel des Le Morne Brabant?
Eigentlich nicht. Vom Gipfel haben Sie einen wunderbaren Blick auf die Lagune, die Täuschung zeigt sich aber erst aus viel größerer Höhe und weiter draußen über dem Meer.
Wann ist die beste Zeit dafür?
An einem klaren, ruhigen Tag, am besten zwischen spätem Vormittag und frühem Nachmittag. In den trockeneren Monaten von Mai bis Dezember sind die Bedingungen am häufigsten gut.
